Von Mensch zu Mensch – zum Nachdenken

An jedem Montag veröffentlicht die Emsdettener Volkszeitung unter der Rubrik „Von Mensch zu Mensch“ einen Beitrag zum Nachdenken. Die Autorinnen und Autoren kommen im Wechsel aus der evangelischen und der katholischen Gemeinde. Hier zum Nachlesen der aktuelle Beitrag aus der katholischen Gemeinde. Verfasst hat ihn Markus Hachmann, Schulseelsorger in Emsdetten.

„Der Berg ruft!“

„Warst du schon Mal auf der Hütte?“ bin ich in Emsdetten schon häufiger gefragt worden. Gemeint war „Lutums Hütte“ auf der Lignitz-Alm in Österreich. Auf 1540 Metern Höhe verbrachte dort schon so manches Kind einen Teil seiner Sommerferien. Viele Emsdettener erinnern sich gerne an die urige Hüttenatmosphäre, das Kochen auf dem Holzbackofen und Wandertouren durch die eindrucksvolle Bergwelt.

Seit ein paar Tagen kann ich nun endlich mitschwärmen: Ich war auch auf der Hütte! Neben Wanderschuhen und Schlafsack hatte ich auch noch die Ordensregel des Heiligen Benedikt im Gepäck. Schließlich sollten uns seine Sätze während der „Berg-Exerzitien für Männer“ begleiten.

Heute würde man den Heiligen Benedikt wohl einen „Work-Life-Balance-Trainer“ nennen. Sein „Ora et labora“ (Bete und arbeite) wurde für seine Mitbrüder zur Richtschnur, den Alltagstrott immer wieder zu unterbrechen. Neben der alltäglichen Arbeit sollte die Suche nach Gott nicht verloren gehen.

Dazu wollten auch wir die Tage auf der Hütte nutzen. Mit dem ersten Satz der Benediktsregel starteten wir in die Tage: „Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens…“, schreibt Benedikt. Dass er das Hören direkt an den Anfang seiner Regel stellt, ist sicherlich kein Zufall.

Und so üben auch wir uns täglich vor dem Hütten-Frühstück im Hören und bewussten Wahrnehmen unserer Umwelt. Fünf oder zehn Minuten draußen vor der Hütte nur lauschen, wie der Berg ruft, der Bach rauscht, das Wasser in der Tränke plätschert, die Vögel singen, in der Ferne eine Kuhglocke bimmelt und der Wind leise durch die Äste der Bäume weht. Dazu ein gigantisches Panorama. Vor uns das Gebirge mit seinen Wäldern und den über 2200 Meter hohen felsigen Gipfeln.

„Diese Momente waren besonders kostbar!“ sagt mir am Ende unserer Hüttentage einer der Männer. „Fünf Minuten einfach nur so dastehen und hören oder sehen – dazu komme ich sonst gar nicht.“ Der Alltag ist meist ausgefüllt mit „Labora“. Wie wär’s mit fünf Minuten „Ora“?

Markus Hachmann
Schulseelsorger
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