Von Mensch zu Mensch – zum Nachdenken

An jedem Montag veröffentlicht die Emsdettener Volkszeitung unter der Rubrik „Von Mensch zu Mensch“ einen Beitrag zum Nachdenken. Die Autorinnen und Autoren kommen im Wechsel aus der evangelischen und der katholischen Gemeinde. Hier zum Nachlesen der aktuelle Beitrag aus St. Pankratius. Verfasst hat ihn Bernd Egger, Kaplan in St. Pankratius Emsdetten.

Trotzdem!

Das Klima innerhalb und gegenüber der katholischen Kirche ist aktuell nicht berauschend. Die massenhaften Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern durch Priester, die in den vergangenen Jahren (Gott sei Dank endlich!) an die Öffentlichkeit gekommen sind, haben ihren Anteil an dieser Stimmungslage.

Gleichzeitig spüren wir, dass insgesamt Gott, Religion und Glaube für immer mehr Menschen keine bedeutende Rolle mehr im Leben spielen. Im Jahr 2018 haben 174 Emsdettener ihren Austritt aus der katholischen Kirche erklärt, im vergangenen Jahr 2019 waren es 252. Wir sind eine Kirche, die nicht mehr wie in früheren Jahrzehnten fast alle Schichten der Gesellschaft durchdringt, sondern werden mehr und mehr zu einer Minderheit in der Bevölkerung.

Da stellt sich die Frage „Warum bleibe ich? Was hält mich in der Kirche?“ Und ich antworte darauf: „Trotzdem!“ Zunächst ein paar Klarstellungen: Glaube ist nicht zuerst meine „Mitgliedschaft“ in der Kirche und als Priester bin ich auch nicht in erster Linie ein Funktionär der Institution Kirche. Ich bin Priester, weil ich mit den mir zur Verfügung stehenden Kräften Jesus folgen möchte – und das in der Gemeinschaft der Kirche.

Ein Zweites: Glaube ist auch nicht zuerst Glaubenswissen. Das Wichtigste ist nicht, dass ich weiß, was in der Bibel steht oder was theologisch richtig oder falsch ist. Glaube ist zuallererst Beziehung! Glaube ist das Vertrauen, dass es Gott gibt und dass er mit mir zu tun haben möchte. Weil dieser Gott uns in Jesus ganz nah gekommen ist, kann ich „du“ zu ihm sagen.

Auch wenn ich natürlich das Kind meiner Eltern bin, gibt es für mich noch den Vater im „Himmel“. Ich muss im Glauben nichts leisten (im Gegensatz zu vielen anderen Lebensbereichen, in denen uns eine Menge abverlangt wird) und nichts vorweisen, sondern alles beginnt damit, dass dieser Vater zuerst „ja“ zu mir gesagt hat. Alles, was ich tue, ist lediglich ein Antworten auf diese Zusage Gottes zu mir.

Er liebt mich und – komme, was wolle – er wird nicht damit aufhören. Das heißt nicht, dass ich leichter durchs Leben komme als andere oder dass ich von Schicksalsschlägen verschont bleibe – aber bei allem weiß ich ihn an meiner Seite. Das tut gut und darauf will ich nicht verzichten. Und deshalb sage ich bei allen gravierenden Umbrüchen, die wir momentan erleben: Ich bleibe trotzdem!

Eine gute neue Woche wünscht Ihnen Ihr Kaplan Bernd Egger

Bernd Egger
Kaplan
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