Von Mensch zu Mensch – zum Nachdenken

An jedem Montag veröffentlicht die Emsdettener Volkszeitung unter der Rubrik „Von Mensch zu Mensch“ einen Beitrag zum Nachdenken. Die Autorinnen und Autoren kommen im Wechsel aus der evangelischen und der katholischen Gemeinde. Hier zum Nachlesen der aktuelle Beitrag aus St. Pankratius. Verfasst hat ihn Norbert Weßel, Pfarrer von St. Pankratius Emsdetten.

Urlaubsreif oder reif für den Urlaub?

Der Sommer ist eine Zeit, in der es selbstverständlich ist, dass man Urlaub braucht – Urlaub beantragt – Urlaub nimmt – Urlaub macht. Und nicht nur wir Menschen nehmen uns diese Auszeit vom Berufsalltag. Gott nimmt für sich ebenfalls dieses Privileg in Anspruch: Er ruhte am siebten Tag von all seinen Werken, die er geschaffen hatte. Es ist wohl die älteste „Auszeit“, die wir kennen. Fast bin ich geneigt zu fragen: War seine Arbeit so anstrengend? War Gott urlaubsreif?

Für viele Menschen waren die letzten Wochen und Monate eine anstrengende Zeit; nicht wenige freuen sich deshalb mit ihren Familien auf die Ferien. Nicht gerade selten war zu hören: „Ich bin urlaubsreif“. Gemeint ist wohl, dass man von allem die Nase gestrichen voll hat, dass man einfach raus will aus dem Alltag.

„Ich bin reif“ dagegen meint, eine gewisse Vollendung erreicht zu haben, zum Beispiel wie bei einer Frucht, die gepflückt werden kann. Eine gewisse Reife zu haben, bedeutet dann, einen Wachstums- oder Lebensabschnitt erfolgreich abgeschlossen zu haben.

Damit stellt sich die Frage: Habe ich die Kunst des Urlaubmachens gelernt? Urlaub soll nämlich keine Flucht aus dem Alltag sein. Urlaub ist auch keine Reduzierung des Lebens auf diese Tage und Wochen des Jahres. Und deshalb sollten wir auch nicht allzu viel an Wünschen und Erwartungen in diese Zeit hineinpacken.

Vielmehr gilt es, im Urlaub sehr bewusst ein Gegengewicht zum Alltag zu setzen, ohne diesen dadurch entwerten zu wollen. Wenn ich in meinem Alltag viel mit Menschen zu tun habe, dann suche ich im Urlaub eher die Ruhe und Einsamkeit. Wenn ich viel alleine bin, mag mir im Urlaub menschliche Nähe guttun. Wenn ich viel unterwegs bin, fühle ich mich in einer vertrauten Landschaft wohl. Wer eher geordnet lebt, mag im Urlaub den Nervenkitzel suchen, wer im Alltag genug Aufregung hat, ist für Ruhe und Entspannung dankbar.

Alltag und Urlaub – zwei Bereiche, die sich ergänzen und deswegen zusammengehören. Zwei Bereiche, die uns von Gott vorgegeben sind wie die sechs Arbeitstage und der Sonntag als Ruhetag. Ich wünsche gute Urlaubstage, erholsame Ferien. Tage, an denen Leib und Seele aufatmen können, an denen wir zu uns selbst und auch zu Gott kommen können.

Und vielleicht geschieht es, dass mitten im Urlaub einmal ein See oder ein Berg in den Blick kommt verbunden mit dem Gedanken: Danke, Gott, für diese Weite, für dieses Leben, das du mir schenkst. – Ich finde, das wäre eine gute Urlaubserfahrung.

Norbert Weßel
Leitender Pfarrer
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