Von Mensch zu Mensch – zum Nachdenken

An jedem Montag veröffentlicht die Emsdettener Volkszeitung unter der Rubrik „Von Mensch zu Mensch“ einen Beitrag zum Nachdenken. Die Autorinnen und Autoren kommen im Wechsel aus der evangelischen und der katholischen Gemeinde. Hier zum Nachlesen der aktuelle Beitrag aus der katholischen Gemeinde. Verfasst hat ihn Markus Hachmann, Schulseelsorger der Pfarrei St. Pankratius.

[ˈwʊstəʃə-zoːsə]

Es gibt drei Dinge im Leben, die den meisten Menschen nur sehr schwer über die Lippen gehen: „Ich bitte um Verzeihung!“, „Ich brauche Hilfe!“ und „WorcestershireSauce“. Und auch wenn wir die Sauce in unserer deutschen Sprache kürzer „Worcester-Sauce“ nennen, so bleibt es dennoch ein Wort, das die meisten von uns im Redefluss stocken lässt. Der Vorteil: Die korrekte Aussprache eines Wortes kann man einüben und erlernen. Schon nach kurzer Zeit kann ich „Worcestershire-Sauce“ [ˈwʊstəʃə-zoːsə] oder „Worcester-Sauce“ [ˈvʊstɐˌzoːsə] fehlerfrei aussprechen, zumal mich diese Form des Lernens keine persönliche und emotionale Überwindung kostet.

Das jedoch gilt für die beiden anderen Dinge, die uns deshalb nur schwer über die Lippen gehen. „Ich brauche Hilfe!“ – das zu sagen, fällt vielen Menschen nicht leicht. Gut darum bitten kann ich dann, wenn ich keine negative Bewertung zu erwarten habe und wenn ich nicht darauf angewiesen bin, mich in besonderer Weise profilieren zu wollen. Schwerer fällt es mir da schon, um Verzeihung zu bitten.

Damit meine ich nicht das (oftmals immer noch ein wenig widerständig herausgepresste) „T’schuldigung!“, von dem mein Gegenüber nur wenig Veränderung zu erwarten hat. Ich meine vielmehr die aufrichtige Bitte um Verzeihung und den echten Willen etwas verändern zu wollen. Innerlich geht man dann „in Sack und Asche“ zu seinem Gegenüber. Wer „in Sack und Asche“ ankommt, bekennt sich zu seinen Fehlern und gelobt Besserung. Und auch diese, nicht unterwürfige sondern im Gegenteil sehr aufrichtige Haltung, lässt sich einüben und einnehmen.

Der Wunsch nach einem Neustart, einem Sinneswandel und einer Neuausrichtung ist für viele Christ(inn)en mit dem Beginn der Fastenzeit verknüpft. Am vergangenen Mittwoch, dem Aschermittwoch, wurde deshalb auf dem Emsdettener Marktplatz das „Aschekreuz to go“ verteilt. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Asche auf das Haupt gestreut. Wer etwas verändern und umkehren möchte, sagt „Asche auf mein Haupt“.

Wem am Beginn der Fastenzeit Asche auf das Haupt gestreut wurde, der hat erfahren, dass sein Leben endlich ist und dass es sich lohnt, umzukehren und sich neu auf Gott auszurichten. Wer so umkehrt, achtet auf sein Reden und Tun, auf Körper und Geist und konzentriert sich wieder auf das Wesentliche im Leben. Und da ist die richtige Aussprache von Worcestershire-Sauce meist nicht mehr ganz so wichtig.

Markus Hachmann
Schulseelsorger
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