Ostergruß 2021

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

jede und jeder von uns stand schon einmal an Übergängen in eine neue Lebensetappe: von der Kindheit zur Jugend, von der Jugend zum Erwachsenenalter, vom Erwachsenenalter in das ganz reife Lebensalter bis hin zum Seniorenalter, zum Sterben und in die Realität des Todes. So individuell und unterschiedlich solche Übergänge sind, gibt es dennoch Vergleichbares: Altes ist vergangen, Neues wird, ist aber in seinen Konturen noch nicht sehr deutlich.

Den wohl prägendsten Übergang seiner gesamten Existenz bewältigt das Volk Israel beim Durchzug durch das Rote Meer. Es ist der Weg aus der Knechtschaft hinein in die Freiheit, der Weg aus der Bedrohung durch den möglichen Tod hinein in das Leben. Es ist ein Übergang, den die Israeliten erfahren als Rettung am Schilfmeer durch das rettende Eingreifen Gottes. Durch bedrängende Fluten auf der Flucht vor den Ägyptern hindurch, öffnet sich ihnen ein neuer Horizont, ganz unerwartet und ganz ungeahnt.

Der größte Übergang einer Christin oder eines Christen ist derjenige vom Leben als Mensch auf dem Weg zur Taufe, durch die Taufe hin zur Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott. Darum ist Ostern das Fest der Taufe, auch der Firmung und der Eucharistie, um den Übergang von einem Leben aus der Kraft der natürlichen Energien des Menschen hin zu den Energien zu zeigen, die von Gott kommen, der in Jesus als Gekreuzigter und Auferstandener ganz bei uns ist und den Übergang in das Neue schafft, also wirkliche Innovation zeigt.

Ostern ist das Fest des Übergangs, das innovative Kräfte freisetzt. So sagt es uns die in jeder Osternacht vorgetragene Lesung aus dem Römerbrief: „Wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben“ (Röm 6,4 b). Als neue Menschen aus der Kraft der Taufe zu leben bedeutet, in der Auferstehung Jesu, nämlich aus dem Dunkel des Todes in das Unglaubliche des Lebens, unerwartet, unverhofft und ganz geschenkt zu einer neuen Identität zu kommen.

Darum sind Übergänge, die wir bewältigen, auch immer eine Chance, an der wir uns zu bewähren und die wir zu gestalten haben. Übergänge können wir so als Ermutigung zum Neuen begreifen! Darin sind wir österliche Menschen! Was uns das Volk Israel, unterwegs zu neuen Ufern, vormacht, was uns die Taufe als Übergang vom Tod zum Leben, vom Dunkel zum Licht, vom Bösen zum Versöhnten zeigt, das ist Lebensprogramm.

Dazu wünsche ich, auch im Namen des Seelsorgeteams, allen österliche Kraft, Zuversicht und Mut bei großer Wachsamkeit und einem Optimismus, der weiß, dass wir alles einzusetzen haben, was wir können. Das Letzte, die Vollendung, aber kommt von Gott, kommt in Jesus auf uns zu, der den Übergang der Übergänge schafft, besser, dem dieser Übergang geschenkt wird: vom Tod zum Leben. Er ist auferstanden. Halleluja!

Ihr und Euer Pastor
Norbert Weßel