Von Mensch zu Mensch – zum Nachdenken

An jedem Montag veröffentlicht die Emsdettener Volkszeitung unter der Rubrik „Von Mensch zu Mensch“ einen Beitrag zum Nachdenken. Die Autorinnen und Autoren kommen im Wechsel aus der evangelischen und der katholischen Gemeinde. Hier zum Nachlesen der aktuelle Beitrag aus der katholischen Gemeinde. Verfasst hat ihn Paul Greiwe, Pastor in St. Pankratius, Emsdetten.

„Zeit heilt alle Wunder!“

Falls Sie darüber hinweg gelesen haben, schauen Sie noch einmal genau hin: Das ist kein Druckfehler in der Überschrift. Die Band „Wir sind Helden“ hat vor einigen Jahren in einem Lied das bekannte Sprichwort bewusst verändert.

Um Wunder geht es also dabei: „Du kommst auf die Welt, um ihr den Kopf zu verdrehen. Du lachst über Hunde und deine eigenen Zehen. Du bleibst, kaum kannst du laufen, alle zwei Meter stehen und fällst auf die Knie um noch ein Wunder zu sehn. Und am nächsten Wunder ziehen sie dich vorbei. Der der dich am Arm hält zählt bis drei und es geht vorbei, es geht vorbei.“

Wir bringen, wenn wir in die Welt kommen, die Fähigkeit mit, über das, was wir sehen, zu staunen. Das Lied beschreibt, wie schnell wir in Gefahr sind, das zu verlernen. So vieles in unserer Welt dreht sich darum, etwas genau auseinander zu nehmen, um es zu verstehen, alles zu hinterfragen, zu bewerten, skeptisch zu sein. Wer nicht nach Beweisen sucht, gilt bald als naiv.

„Zeit heilt alle Wunder!“ – Eine solche Art von Heilung möchte ich nicht. Ja, ich bin durchaus ein vernunftbegabter und denkender Mensch. Aber ich möchte mir auch Zeit und Spielraum nehmen, die Welt nicht nur mit dem Verstand zu sehen. Ich möchte das Staunen nicht verlernen.

Zwei Anlässe Anfang Oktober können dabei helfen, das Auge neu an das Herz zu binden. Gestern haben wir Erntedank gefeiert. Vielleicht geht es nicht nur darum, dass wir nicht vergessen, was uns seit Kindertagen nahe gelegt wird: „Und! Was sagt man?“ Vielleicht geht es auch viel tiefer darum, einfach nur zu schauen und sich zu freuen an dem, was ist, an dem der das gemacht hat, an denen, die sich soviel Mühe machen, dass die Gaben der Erde für uns fruchtbar werden.

Und dann das: Heute feiern wir den Gedenktag des heiligen Franziskus, der wohl einer der bekanntesten und beliebtesten Heiligen in der Kirchengeschichte ist, nicht zuletzt weil er sein Leben so glaubwürdig und auch faszinierend an der Botschaft Jesu ausgerichtet hat. Als er schon schwer krank war, hat er den Sonnengesang gedichtet, ein frohes und dankbares Loblied auf den Schöpfer, aus dem alles das kommt, was in der Welt ist.

Bewahren wir uns den Blick auf die großen und nicht weniger auf die kleinen Wunder des Lebens in unserer Welt. Sie wollen uns ahnen lassen, dass sich darin die wunderbare Größe eines Gottes zeigt, der sich entschieden hat, für uns Menschen da zu sein.

Noch ein Gedanke: Ich mache mich heute mit einigen Kollegen, die mit mir vor 25 Jahren zu Priestern geweiht wurden, auf den Weg nach Rom. Wir werden Papst Franziskus nicht persönlich begegnen und können ihm auch nicht zum Namenstag gratulieren. Innerlich aber nehme ich für ihn den Wunsch mit, dass er in all den Mauern dieser imposanten Kirchen in Rom, und dass wir als Kirche insgesamt bei allem Nachdenken über Strukturen und neue Konzepte nicht von der Fähigkeit „geheilt“ werden, von der einfach wunderbaren Kraft der Botschaft von Gott zu erzählen..

Paul Greiwe
Pfarrer
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