Aufruf zum Impfen „aus Solidarität und Nächstenliebe“

Wir befinden uns mitten in der vierten Welle der Corona-Pandemie. Die Neuinfektionen steigen täglich in bisher nie in unserem Land dagewesenem Ausmaß. Die Belegkapazität auf den Intensivstationen kommt an die äußerste Grenze; ebenso die Belastung der dort tätigen Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger. Die Zahl der an Covid19 Verstorbenen erreicht erschreckende Höhen.

Unser alltägliches Leben ist durch Regeln stark eingeschränkt; fast nichts ist mehr bedenkenlos möglich. Umso verständlicher ist es, dass wir uns nach Freiheiten im Alltag sehnen, die Normalität zurückhaben möchten, wie sie für uns in den Zeiten vor Corona möglich war. Dazu braucht es aber den Einsatz als Gemeinschaft genauso wie den Einsatz eines jeden Einzelnen. Sich impfen zu lassen, rettet Leben und erreicht weniger schwerere Krankheitsverläufe. Deshalb rufen die deutschen Bischöfe mit Nachdruck dazu auf, dass alle Menschen sich impfen lassen, soweit es dem Einzelnen möglich ist. Impfen ist – so die Bischöfe – „in dieser Pandemie eine Verpflichtung aus Gerechtigkeit, Solidarität und Nächstenliebe“. Wir tragen Verantwortung nicht nur für uns selbst, sondern gerade auch für die Schwächsten, für die, die sich selbst nicht mehr helfen können und umso mehr auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

Denjenigen, die ethische Bedenken bezüglich der Herstellung des Impfstoffs haben, empfehle ich die Ausführungen der römischen Glaubenskongregation in der „Note über die Moralität des Gebrauchs einiger Impfungen gegen Covid-19“ als Entscheidungshilfe, die die Herstellung der Vakzine als „moralisch akzeptabel“ bewertet.

Sich impfen zu lassen habe etwas mit Liebe zu tun, so Papst Franziskus: mit Liebe zu sich selbst, Liebe gegenüber Angehörigen und Freunden, Liebe unter den Völkern.

Deswegen meine eindringliche Bitte an alle, die sich bisher noch nicht haben impfen lassen: beziehen Sie diese Überlegungen mit in Ihren Entscheidungsprozess ein.

Mit Blick auf die vor uns liegende Zeit unter erschwerten Bedingungen wünsche ich im aufeinander Achtgeben Wohlergehen und Gesundheit!

Ihr Pastor
Norbert Weßel