Autor: Leonie Brinkhaus

Von Mensch zu Mensch – zum Nachdenken

An jedem Montag veröffentlicht die Emsdettener Volkszeitung unter der Rubrik „Von Mensch zu Mensch“ einen Beitrag zum Nachdenken. Die Autorinnen und Autoren kommen im Wechsel aus der evangelischen und der katholischen Gemeinde. Hier zum Nachlesen der aktuelle Beitrag aus der katholischen Gemeinde. Verfasst hat ihn Sajeev Myladiath, Pfarrer in St. Pankratius Emsdetten.

Was in uns steckt

Millionen von Menschen haben vor uns auf dieser Erde gelebt und haben sie vor uns verlassen. Alle hatten sie ihre eigenen, besonderen Talente; aber nur eine Handvoll von ihnen wagte es, sie auch auszuprobieren. Alle hatten Träume; aber nur wenige suchten nach ihrer Erfüllung. Alle hatten Ideen; aber kaum jemand entschied sich, sie auszuprobieren.

Über alle diese Menschen schrieb der deutsche Philosoph Johann Caspar Schmidt, ein wenig spöttisch: „Jeder Mensch wird als Original geboren, doch die meisten sterben als Kopien.“ Unsere Menschengeschichte ist für uns die Geschichte einiger weniger, die ihre Talente einsetzten und sich um ihre Verwirklichung bemühten.

Coretta Scott King, Hellen Keller, Helene Weber, Bertha von Suttner, Sophie Scholl, Elisabeth von Thüringen, Mohandas Karamchand Gandhi, Mutter Teresa, und Menschen wie sie: Sie alle haben sich in ihrem Leben um etwas Neues bemüht. Sie haben versucht, etwas zu tun. Sie haben ihr eigenes, ihr originales Leben gelebt.

Und? Mutter Teresa konnte die Armut nicht auslöschen, Ghandi nicht den sich religiös nennenden Hass, Elisabeth von Thüringen nicht die Prunksucht der Herrschenden, Sophie Scholl nicht die Diktatur, Bertha von Suttner nicht den Krieg, Helene Weber nicht die Benachteiligung der Frauen, Hellen Keller nicht die Blindheit, Coretta Scott King nicht die Rassendiskriminierung. Aber: Sie alle bemühten sich, ihre Träume zu verwirklichen und glaubten an sie und auch an Sie. Das machte sie zu besonderen Zeichen der Zeit für ihre Mitmenschen – und auch für uns heute.

Erlauben Sie mir eine Behauptung: Wir sind alle, mehr oder weniger, mit Kraft und Talenten gesegnet. Der wichtigste Teil von uns wird immer sein, was in uns steckt. Wir werden echt viele großartige Dinge tun können. Das aber nur, wenn wir auch anderen Menschen erlauben, für die vielen Gaben, die wir besitzen, auf uns zuzugreifen.

„Was kann ich schon tun? Ich kann doch nichts bewirken.“ Diese resignative Einstellung führt tatsächlich zum Nichts. Sie blendet aus, dass wir als Menschen Menschenwürde und Mitmenschlichkeit leben können, wenn wir uns denn dafür entscheiden und es einfach und konkret in unserer Familie, in unserem Freundeskreis, in unserer Stadt, in unserer Arbeit, in unserer Umwelt tun.

Mögen wir in dieser schweren Zeit unser eigenes Leben betrachten und uns bereithalten für das Fest der Menschwerdung Gottes. Gott wird Mensch. Für uns als Gott – von Mensch zu Mensch!

Für die kommende Zeit möchte ich Ihnen ein altes deutsches Kirchenlied mitgeben; Georg Neumark hat es 1641 gedichtet, Johann Sebastian Bach hat fast 100 Jahre später seine Melodie überarbeitet. Das Lied endet mit einer Aufforderung – und Zusage:

„Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.“

Sajeev Myladiath
Pfarrer
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