Von Mensch zu Mensch – zum Nachdenken
An jedem Montag veröffentlicht die Emsdettener Volkszeitung unter der Rubrik „Von Mensch zu Mensch“ einen Beitrag zum Nachdenken. Die Autorinnen und Autoren kommen im Wechsel aus der evangelischen und der katholischen Gemeinde. Hier zum Nachlesen der aktuelle Beitrag.
¡Hola! – Warum ich angefangen habe, Spanisch zu lernen
„Hola!“ – Das geht noch ganz leicht über die Lippen. Auch „Gracias“ und „Adiós“ gehören inzwischen zu meinem kleinen spanischen Wortschatz. Aber spätestens dann, wenn aus einzelnen Wörtern ganze Sätze werden sollen, merke ich: Eine neue Sprache zu lernen, ist gar nicht so einfach.
Seit einiger Zeit lerne ich Spanisch. Einmal in der Woche geht es für mich nach Münster zum Sprachkurs. Und dort mache ich gerade eine Erfahrung, die ich in dieser Form schon länger nicht mehr gemacht habe: Ich bin wieder Anfängerin.
Das klingt zunächst ziemlich unspektakulär. Aber ich merke, wie ungewohnt das ist. Im Alltag bin ich es gewohnt, Dinge zu organisieren, Entscheidungen zu treffen, Fragen zu beantworten und Lösungen zu finden. Im Spanischkurs ist das plötzlich anders. Da sitze ich vor meinem Arbeitsblatt, suche nach den richtigen Vokabeln, verwechsle Endungen und hoffe manchmal einfach, dass ich nicht als Nächste an der Reihe bin. Und dann kommt natürlich genau die Frage, auf die ich gerade keine Antwort weiß.
Was mich besonders herausfordert, ist das Sprechen. Im Kopf klingt ein spanischer Satz manchmal schon ganz ordentlich. Sobald ich ihn laut aussprechen soll, ist die Hälfte der Wörter verschwunden. Dann wird gestottert, gelacht, noch einmal angefangen. Manchmal hilft nur ein Schulterzucken.
Gleichzeitig macht genau das auch Spaß. Es ist ein gutes Gefühl, plötzlich etwas zu verstehen, das vor ein paar Wochen noch völlig fremd klang. Oder festzustellen, dass ich tatsächlich einen kleinen Satz auf Spanisch formulieren kann. Es sind winzige Fortschritte, aber über die kann ich mich erstaunlich freuen.
Was ich allerdings auch feststelle: Lernen braucht Zeit. Und Geduld. Beides ist im normalen Alltag nicht immer ausreichend vorhanden. Vokabeln lernen sich schließlich nicht von allein. Und nur weil ich ein Wort am Mittwochabend verstanden habe, bedeutet das noch lange nicht, dass ich es am Donnerstag noch weiß.
Vielleicht ist das überhaupt eine der interessantesten Erfahrungen für mich: Ich muss nicht immer alles sofort können. Als Erwachsene haben wir uns oft daran gewöhnt, möglichst sicher durchs Leben zu gehen. Wir bewegen uns in Bereichen, in denen wir uns auskennen. Wir wissen, wie die Dinge funktionieren, und vermeiden manchmal Situationen, in denen wir unsicher wirken könnten.
Beim Lernen einer neuen Sprache funktioniert das nicht. Da gehört es dazu, Fehler zu machen. Sich etwas erklären zu lassen. Noch einmal nachzufragen. Und manchmal auch herzlich über sich selbst zu lachen.
Ich finde, darin steckt sogar ein Stück Lebensweisheit. Denn wann erlauben wir uns eigentlich noch, ganz bewusst Anfänger zu sein? Etwas auszuprobieren, ohne gleich gut darin sein zu müssen? Uns auf etwas Neues einzulassen, ohne vorher zu wissen, ob es klappt?
Noch bin ich weit davon entfernt, mich fließend auf Spanisch unterhalten zu können. Wahrscheinlich würde ich in Spanien momentan schon bei einer etwas ausführlicheren Antwort auf meine Frage ins Schwitzen geraten. Aber immerhin könnte ich die Frage vielleicht schon stellen.
Und ich habe wieder einmal gemerkt, wie schön es sein kann, den eigenen Horizont zu erweitern. Nicht weil ich etwas leisten oder erreichen muss. Sondern einfach, weil mich etwas interessiert und ich Lust habe, Neues zu entdecken.
Vielleicht ist das ja auch eine kleine Ermutigung für den Alltag: Man muss nicht alles können, bevor man anfängt. Manchmal reicht es, neugierig zu sein und den ersten Schritt zu wagen.
Oder, um es mit einem der spanischen Wörter zu sagen, die ich inzwischen gelernt habe: ¡Vamos! – Auf geht’s!
Freundliche Grüße
Eva Rüschen
