Liebe Schwestern und Brüder unserer Pfarrei St. Pankratius, wenn wir am Pfingstfest die Apostelgeschichte hören, stehen wir mitten in einer Szene voller ungeheurer Dynamik: Da bricht etwas auf, das nicht mehr aufzuhalten ist. Der Heilige Geist weht wie ein Sturm durch die verschlossenen Türen der Angst und treibt die Menschen hinaus aus ihrer Isolation auf die öffentlichen Plätze. Es ist die Geburtsstunde einer Kirche, die sich nicht im Stillen versteckt oder hinter dicken Mauern absichert, sondern die Verständigung über alle Grenzen von Herkunft und Sprache hinweg wagt.
Dieses „Pfingstwunder“ findet seine geistliche Vertiefung in der Pfingstsequenz, jenem alten Hymnus, den wir am Pfingstfest singen. Dort rufen wir den Geist als den „Vater der Armen“ und „Licht der Herzen“ an. Besonders die Bitte „Beuge, was starr ist, wärme, was kalt ist, und lenke, was vom Weg abirrt“ führt uns vor Augen, was Aufbruch heute bedeutet. Gerade in einer Zeit, die uns oft verunsichert und in der wir Gefahr laufen, uns im Gewohnten einzumauern oder in einer inneren Kälte und Gleichgültigkeit zu verharren, ist Pfingsten das göttliche Signal zum Losgehen.
Der Geist Gottes will das Starre in uns – jene festgefahrenen Ansichten und Strukturen, die uns manchmal den Blick verstellen – wieder beweglich machen. Er ist der „Gast, der Herz und Sinn erfreut“ und uns den nötigen Schwung gibt, alte Pfade zu verlassen, um einander in unserer Pfarrei neu und unvoreingenommen zu begegnen. Es geht darum, mit brennenden Herzen dort Brücken zu bauen, wo bisher Mauern standen, und die Frohe Botschaft nicht nur zu bewahren, sondern als lebendige, heilende Kraft in unseren konkreten Alltag zu tragen.
Lassen wir uns von diesem göttlichen Brausen anstecken! Öffnen wir die Fenster unserer Seelen für diesen „Tröster in der Verlassenheit“ und wagen wir den gemeinsamen Aufbruch in ein Miteinander, das nicht von Bedenken, sondern von Vertrauen und echter Begeisterung getragen ist. Möge das Licht des Heiligen Geistes unsere Wege in St. Pankratius erhellen und uns zeigen, dass wir gemeinsam zu Großem gerufen sind.
Ich wünsche Ihnen und uns allen ein kraftvolles, bewegtes Pfingstfest, das uns mit frischem Mut und tiefer Freude erfüllt.
Norbert Weßel, Pfarrer