Von Mensch zu Mensch

Von Mensch zu Mensch – zum Nachdenken

An jedem Montag veröffentlicht die Emsdettener Volkszeitung unter der Rubrik „Von Mensch zu Mensch“ einen Beitrag zum Nachdenken. Die Autorinnen und Autoren kommen im Wechsel aus der evangelischen und der katholischen Gemeinde. Hier zum Nachlesen der aktuelle Beitrag.

Die Engel in Gelb, Rot und Blau

Haben Sie heute Morgen schon Ihren Kaffee getrunken? Vielleicht war er in der Kaffeemaschine zubereitet, die vor einigen Monaten direkt an Ihre Haustür geliefert wurde. Vielleicht sitzen Sie gerade auf einem Stuhl, dessen Paket ein Bote in den dritten Stock getragen hat. Womöglich blättern Sie gleich in einem neuen Buch, das gestern noch im Logistikzentrum lag. Vielleicht schweift Ihr Blick anschließend in den Garten auf Pflanzen und Erde, die Sie kaum selbst hätten transportieren können. Wir leben in einer Welt, in der fast jeder Wunsch nur einen Mausklick entfernt ist. Doch den Weg zu uns nach Hause finden diese Wünsche nicht von allein. Häufig sind es Menschen in gelben, roten oder blauen Jacken, die unsere Bestellungen zuverlässig bis an die Haustür bringen.

Es sind die Paketbotinnen und Paketboten, die unseren Alltag erst so bequem machen. Sie steuern die großen Transporter durch unsere engen Wohnstraßen, parken in der zweiten Reihe, weil es nicht anders geht, und rennen im Sekundentakt Stufen hinauf. Nicht selten schleppen sie Pakete, die alles andere als Fliegengewichte sind: Getränkekisten, Möbelpakete oder große Futtersäcke.

Dabei erleben sie selten Applaus. Häufiger hören sie Kritik. Da wird geschimpft, weil eine Lieferung fünf Minuten später kommt, oder weil der Benachrichtigungszettel im Kasten liegt, obwohl man doch „die ganze Zeit daheim“ war – vielleicht gerade unter der Dusche. Wir vergessen im Alltagsstress schnell, unter welchem enormen Zeitdruck diese Menschen stehen. Jeder Stau, jede Baustelle und jeder nicht angetroffene Empfänger bringt ihren engen Zeitplan ins Wanken.

Die Paketbotinnen und Paketboten sind feste Konstanten in unserer Nachbarschaft geworden. Sie kennen unsere Namen, wissen, wo die Garage für die Ablage ist, und schenken uns trotz aller Hektik manchmal ein kurzes, müdes Lächeln. Sie leisten Schwerstarbeit – körperlich wie mental. Der Wert einer Gesellschaft zeigt sich nicht nur daran, wie schnell Dienstleistungen funktionieren, sondern auch daran, wie wir mit den Menschen umgehen, die sie erbringen.

Deshalb möchte ich heute ein einfaches, aber von Herzen kommendes „Danke“ aussprechen. Danke für Ihre Ausdauer bei Wind und Wetter und für Ihre Geduld an unseren Haustüren.

Wenn Sie also heute dem Boten oder der Botin begegnen, schenken Sie ihnen ein freundliches Wort oder ein Lächeln. Was für uns nur ein kurzer Moment ist, kann in einem langen Arbeitstag viel bedeuten. Denn manchmal braucht es gar nicht viele Worte, damit jemand spürt, dass seine Arbeit gesehen und geschätzt wird.

Norbert Weßel
Leitender Pfarrer
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