Von Mensch zu Mensch

Von Mensch zu Mensch – zum Nachdenken

An jedem Montag veröffentlicht die Emsdettener Volkszeitung unter der Rubrik „Von Mensch zu Mensch“ einen Beitrag zum Nachdenken. Die Autorinnen und Autoren kommen im Wechsel aus der evangelischen und der katholischen Gemeinde. Hier zum Nachlesen der aktuelle Beitrag.

Frühjahrsmutigkeit

Kommen Sie morgens auch nicht so richtig in Schwung? Kein Wunder: Der Januar ist der dunkelste Monat. Die Tage werden zwar langsam länger, doch morgens dämmert es spät und am frühen Abend ist es schon wieder stockfinster.

Keine Sorge, Sie sind nicht allein, die Dunkelheit macht vielen Menschen zu schaffen. Ich verabschiede mich deshalb auch nur ungern von Lichterketten und Weihnachtsbäumen. Doch spätestens Ende Januar ist der Glanz der Weihnachtszeit verflogen und die Frühjahrsmüdigkeit macht sich breit.

Einem kleinen Jungen, der an Heiligabend in der Krippenfeier einen Hirten spielte, erging es ähnlich. Er war vom Warten auf das Christkind am Vorabend so müde geworden, dass ihn auf der Bühne der Schlaf übermannte. Während Maria und Josef den Stall für die Geburt vorbereiteten und die anderen Hirten auf die Herde achtgaben, fielen ihm auf der Bühne, mitten im Geschehen, die Augen zu. Plötzlich trat ein Engel vor, breitete seine Arme aus und rief mit klarer Stimme: „Fürchtet euch nicht! Euch ist ein Kind geboren!“. Diese Botschaft riss den kleinen Hirtenjungen unerwartet aus dem Schlaf. Hektisch machte er sich mit den anderen Hirten auf den Weg nach Bethlehem, um zu sehen, was dort geschehen war.

Vermutlich hat kein Hirte jemals besser auf einer Bühne dargestellt, wie sehr die Weihnachtsbotschaft uns wachrütteln und aufwecken möchte: „Fürchtet euch nicht! Auch, wenn viel Dunkelheit in der Welt ist, steht auf und macht euch auf den Weg! Habt Hoffnung und Mut! Sucht das Licht und stellt euch gegen die Dunkelheit!“

Ja, angesichts der Zeit, in der wir leben, sollten wir uns der Dunkelheit mutig entgegenstellen, dem wachsenden Rassismus und Antisemitismus, den eskalierenden Konflikten und Spannungen, der wachsenden Ungerechtigkeit zwischen Arm und Reich und der stetig wachsenden Klimakrise. Angesichts der vielen Probleme möchte ich manchmal auch mitten im Geschehen die Augen verschließen und meine Ruhe haben. Doch der Engel ruft: „Fürchtet euch nicht!“ – gerade dann, wenn uns die positive Aussicht fehlt. Schließlich fällt es dann besonders schwer, hoffnungsvoll und optimistisch zu sein.Aber vielleicht geht es Ihnen ja auch so, wie dem Religionsphilosophen Tomáš Halík. Er sagte: „Auf die Frage, ob ich ein Optimist oder ein Pessimist bin, antworte ich, dass ich ein Mensch bin, der um Hoffnung ringt.“ Üben wir uns also in der Hoffnung! Dann verwandelt sich unsere Frühjahrsmüdigkeit vielleicht sogar in eine Frühjahrsmutigkeit.

Markus Hachmann
Schulseelsorger
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