Von Mensch zu Mensch – zum Nachdenken
An jedem Montag veröffentlicht die Emsdettener Volkszeitung unter der Rubrik „Von Mensch zu Mensch“ einen Beitrag zum Nachdenken. Die Autorinnen und Autoren kommen im Wechsel aus der evangelischen und der katholischen Gemeinde. Hier zum Nachlesen der aktuelle Beitrag.
Preisschock an der Tankstelle
Vor Jahren schon traf Papst Franziskus mit seiner Enzyklika „Laudato si“ einen Nerv, weil er Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit nicht gegeneinander ausspielt, sondern zusammendenkt. Sein berühmter Satz „Alles ist miteinander verbunden“ ist seither oft zitiert – und ebenso oft ignoriert.
Denn gerade erleben wir wieder das Auseinandergehen der Schere. Während kirchliche Initiativen zum Klimafasten aufrufen, explodieren die Spritpreise. Während Gemeinden über Photovoltaik auf Kirchendächern diskutieren, setzt die Politik auf neue Gasverträge und verlängerte Ölförderung. Klimaschutz wird moralisch eingefordert – und ökonomisch ausgebremst. Wer wenig hat, zahlt zuerst und am meisten. Wer viel verbraucht, kann sich das schlechte Gewissen leisten.
Vor ein paar Tagen sagte mir jemand einen Satz, der hängen blieb: „Wir hätten weniger Kriege, wenn wir mehr Solaranlagen und Windräder bauen würden.“ Ein einfacher Gedanke – und ein unbequemer. Denn tatsächlich gilt: Wenn wir erneuerbare Energien ausbauen, kaufen wir weniger Öl und Gas. Und damit entziehen wir jenen die finanzielle Grundlage, die ihre Macht mit fossilen Rohstoffen absichern – und Kriege finanzieren.
Papst Franziskus formulierte es drastischer: Es sei dieselbe Logik, „die Wälder abholzt, die Meere verschmutzt und Menschen ausbeutet“. Die ökologische Krise und die sozialen Konflikte sind Geschwister. Auch die Deutsche Bischofskonferenz mahnt seit Jahren an, dass soziale Politik ohne Klimaschutz kurzsichtig ist.
Zivilgesellschaftliche Initiativen wie Campact bringen es auf den Punkt: Erneuerbare Energien sind nicht nur eine Frage des Klimas, sondern der Demokratie und des Friedens. Jede Kilowattstunde aus Sonne und Wind ist ein kleines Stück Unabhängigkeit – von Autokraten, von Krisen und von der Angst vor dem nächsten Preisschock an der Tankstelle.
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