Von Mensch zu Mensch

Von Mensch zu Mensch – zum Nachdenken

An jedem Montag veröffentlicht die Emsdettener Volkszeitung unter der Rubrik „Von Mensch zu Mensch“ einen Beitrag zum Nachdenken. Die Autorinnen und Autoren kommen im Wechsel aus der evangelischen und der katholischen Gemeinde. Hier zum Nachlesen der aktuelle Beitrag aus St. Pankratius.

Der Narr

„Der Narr“ ist ein russischer Film aus dem Jahr 2014 von Regisseur Yury Bykov. Er handelt vom jungen Klempner Dima Niktin, der auf einen schwerwiegenden Mangel im Fundament eines Gebäudes stößt, das deshalb akut einsturzgefährdet ist. Seine Bemühungen, die Behörden zu alarmieren und die betroffenen Menschen zu retten, stoßen auf Korruption, auf Gleichgültigkeit, Desinteresse an so einem großen Problem, blinde Betonung der Eigeninteressen und auf deutliche  Ablehnung der Gesellschaft.

Niktin bleibt seiner selbst gewählten Pflicht treu: Bis zum Ende will er die gefährdeten Menschen vor der tödlichen Gefahr retten. Das letzte Bild des Films zeigt ihn, wie er „Der Narr“ auf seinen Körper schreibt, während Menschen auf das einsturzgefährdete Gebäude klettern.

Sehen wir in diesem Film eine Parabel für unsere Welt? Sie, die Welt (und nicht die Zeitung) ist so überwältigend heftig von Ungerechtigkeit und Leid geprägt! Da weist uns der russische Film auf die Wahrheit hin: Die eigentliche Tragödie ist das Schweigen der guten Menschen, ihre Passivität und Untätigkeit angesichts von Unrecht und Gewalt. Diese Welt leidet nicht wegen der Gewalt der bösen Menschen, sondern wegen des Schweigens der guten Menschen.

Es ist an der Zeit, dass wir unsere Stimmen erheben und uns zusammentun, um eine gerechtere und mitmenschlichere Welt zu schaffen. Gott sei Dank treten in unserer Zeit endlich wieder Menschen sichtbar für alle auf, um für die Wahrheit und die Fundamente der Demokratie zu kämpfen. Emsdettener sind eben, wenn es darauf ankommt, nicht gleichgültig. Sie sind an ihren Mitmenschen interessiert und engagieren sich gesellschaftlich und ehrenamtlich.

Die Attacken auf Politiker in Deutschland sind schockierend und unterstreichen die Bedeutung des Schutzes unserer Demokratie in Europa. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, solche Gewalttaten schnell zu verurteilen und die Grundwerte unserer starken Demokratie zu verteidigen.

Und es kommt heute darauf an. Es kommt darauf an, dass wir füreinander und miteinander für die Wahrheit und das demokratische Fundament eintreten und uns und allen unsere Solidarität und Mut und Integrität demonstrativ beweisen.

Vielleicht darf ich Ihnen noch eine ermutigende Botschaft des Propheten Jesaja mitgeben: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“ (Jesaja 41,10)

Sajeev Myladiath
Pfarrer
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